Markt Heroldsberg

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Die Marktgemeinde Heroldsberg liegt in Mittelfranken im Landkreis Erlangen-Höchstadt.

Heroldsberg 01.jpg
Heroldsberg
Ortstyp Marktgemeinde
Land Deutschland
Bundesland Freistaat Bayern
Regierungsbezirk Mittelfranken
Landkreis Erlangen-Höchstadt
Höhe 335–378 m ü. NN
Fläche 11,02 km²
Einwohner 7.475 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte 678 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen ERH
Gemeindekennzahl 09 5 72 131
Anschrift Hauptstraße 104

90562 Heroldsberg

Telefon 0911 / 518 57 – 0
Telefax 0911 / 518 57 – 40
E-Mail gemeinde@heroldsberg.de
Netzseite http://www.heroldsberg.de/
1. Bürgermeister
Johannes Schalwig (CSU)
Wappen Heroldsberg.svg.png

Zum Namen „Heroldsberg“

Heroldsberg wurde in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts als Stützpunkt der Kaiserburg beziehungsweise der Nürnberger Burggrafen gegründet. Einer der ersten Ministerialen (Verwalter) soll ein gewisser Heriwald oder Herigold gewesen sein, von dem sich der Ortsname angeblich ableitet. Das ist eine etwas gewagte Annahme; denn der Ort heißt ja „Heroldsberg“.

Ein „Herold“ ist ein mittelalterlicher lesekundiger Ausrufer, Bote und Überbringer von Nachrichten, in einer Zeit, als die Untertanen noch nicht schreiben und lesen konnten und es noch keine Zeitung gab. Zinnfiguren stellen einen dörflichen oder städtischen Ausrufer mit einer großen Glocke oder Schelle in der erhobenen rechten Hand dar. In der linken Hand hält er ein entrolltes Pergament mit der Botschaft seines Herrn, dessen Inhalt er auf dem Marktplatz dem Volk laut zuruft und einige Male wiederholt. Man kann sich Herolde auch als reitende Boten vorstellen. Albrecht Dürer schrieb, er werde sich bei seiner Rückkehr aus Venedig nach Nürnberg einem der „Reiterboten“ anschließen, die regelmäßig nach Venedig unterwegs waren. [1] Man könnte sie auch „Reiterkuriere“ nennen, die bewaffnet und schneller als eine Kutsche waren und bei Unpassierbarkeit einer Straße Umwege reiten konnten.
Erst mit der Erfindung des Buchdrucks und Martin Luthers Bibelübersetzung begann die Zeit der Flugblätter, die von Lesekundigen dem Volk vorgelesen wurden, zum Beispiel von der Kanzel herab. Der Name „Heroldsberg“ könnte in diesem Sinne eine Raststätte oder ein Stützpunkt von bediensteten Herolden oder Reiterkurieren bedeuten.

Eine besondere Stellung nahmen die Herolde der Fürsten und des Stadt- und Landadels ein, man denke an die Nürnberger Patrizier, die durch Fernhandel reich geworden waren und sich zu Landadligen machten. Sie waren dann die Herren eines Dorfes, das ihnen gehörte wie zum Beispiel die Tucher von Haimendorf, die Tucher von Simmelsdorf, die Haller von Hallerstein oder die Stromer von Reichenbach.

Die höchste Stellung hatte ein Reichsherold, der dem Kaiser diente und von ihm besoldet wurde. Am bekanntesten war der Reichsherold Kaspar Sturm, der Martin Luther zum Reichstag nach Worms und auch auf dem Rückweg begleitete und schützte. Er stand auch im Dienst der Freien Reichsstadt Nürnberg, die sich der Reformation angeschlossen hatte. Die Pfeffersäcke wollten ohne großen Aufwand den Besitz der aufgehobenen Klöster vereinnahmen, zum Beispiel das Kloster Engelthal. So wie das Dorf Nuschelberg mit einem befestigten Herrensitz auf einem Berg lag, so lag auch Heroldsberg wie eine „Heroldsburg“ auf einer Anhöhe. [2]

Geographie

Lage

Heroldsberg liegt etwa 15 Kilometer nordöstlich von Nürnberg und etwa 17 Kilometer östlich von Erlangen an der Bundesstraße 2 und der Gräfenbergbahn.

Gemeindegliederung

Heroldsberg besteht aus den fünf Ortsteilen Großgeschaidt, Heroldsberg, Hundsmühle, Johannisthal und Kleingeschaidt.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden sind – im Norden beginnend im Uhrzeigersinn – Eckental, Lauf an der Pegnitz, Nürnberg und Kalchreuth.

Zur Geschichte

Die Nürnberger Patrizierfamilie Geuder kaufte das Gebiet im Jahre 1391. Bis zum Ende der Feudalherrschaft war Heroldsberg im Besitz der Geuder. Nachkommen der Familie leben bis heute in der Gemeinde. Die Geuder ließen in Heroldsberg die vier Schlösser am Oberen Markt erbauen, die das Ortsbild bis heute prägen. 1510 war Albrecht Dürer, ein Freund der Familie Geuder, in Heroldsberg und fertigte eine Federzeichnung des Ortes - die älteste bildliche Darstellung der Gemeinde. Das Original dieser Zeichnung befindet sich heute in einem Museum in Bayonne in Südfrankreich. Heroldsberg ist heute ein beliebter Wohnort mit guter Infrastruktur. Trotz etlicher Neubaugebiete hat Heroldsberg sein historisches Erbe bewahren können. Für den Maler und Graphiker Rudolf Schiestl (1878 - 1939) war Heroldsberg „das schönste Dorf, das ich kenne“.

Persönlichkeiten

Fotogalerie

Zum Verfasser des Artikels

Manfred Riebe, der Autor des Artikels, wurde am 17. November 2016 von Landrat Armin Kroder (FW) mit der Goldenen Bayerischen Ehrenamtskarte ausgezeichnet. Armin Kroder wurde als Mitglied der Freien Wähler gewählt, die versuchen, im Bayerischen Landtag als Opposition die CSU zu kontrollieren. Siehe zum Beispiel die Freien Wähler im Menschenrechtsforum Gustl Mollath. Zahlreiche bayerische Städte, Gemeinden und Unternehmen gehören zu den sogenannten Akzeptanzpartnern der Ehrenamtskarte und gewähren deshalb Inhabern der Ehrenamtskarte Vergünstigungen. Die Gemeinde Schwaig gehört ebenfalls zu den sogenannten Akzeptanzpartnern der Ehrenamtskarte und gewährt deshalb Inhabern der Ehrenamtskarte „5 € auf Eintritt in das Schwaiger Kulturprogramm“.

Literatur

  • August Sieghardt: Heroldsberg. Geschichte und Leben einer Marktgemeinde [Karte: Fritz Gries]. Nürnberg: Glock u. Lutz, 1961, 16 S.
  • Karl Borromäus Glock: Achtzig Jahre. Begegnungen mit hundert namhaften Zeitgenossen. Heroldsberg: Glock und Lutz, 1985, 111 S., ISBN 3-7738-6236-6 (falsch) (Besinnung; Jg. 60, Nürnberger Liebhaberausgaben)
  • Mechthild Hempe: Eine Unternehmensgeschichte im Zeichen des Schwans. Hrsg.: Schwanhäußer Industrie Holding. Übers.: Dorothea Heymann-Reder. Schwan-Bleistift-Fabrik Schwanhäußer und Co. Heroldsberg: Schwanhäußer Industrie Holding, 2005, 100 S., ISBN 3-00-016405-7
  • Eberhard Brunel-Geuder: Heroldsberg heute. Ein Spaziergang durch den Ort. Kultur-Freunde Heroldsberg e.V.: Eberhard Brunel-Geuder (Texte); Dieter Kaletsch (Fotos). Nürnberg: Preußler, 2006, 148 S., ISBN 978-3-934679-25-2, ISBN 3-934679-25-0
  • Eberhard Brunel-Geuder, Eike Oellermann: Heroldsberger Hefte. Sonderband zur Ausstellung 21. Mai - 18. Juni 2010; 1510 - 2010, Albrecht Dürer in Heroldsberg. Kultur-Freunde Heroldsberg e.V. Nürnberg: Preußler, 2010, 60 S., ISBN 978-3-934679-37-5 - Inhaltsverzeichnis; darin:
    • Eberhard Brunel-Geuder: Vorwort, S. 7
    • Eberhard Brunel-Geuder, Volker Alberti: Martin Geuder, Willibald Pirckheimer, Albrecht Dürer und ihre gemeinsame reichsstädtische Zeit, S. 9-28
    • Eike Oellermann: Heroldsberg – von Künstlern gesehen, S. 29-37
    • Eike Oellermann: Dürers Federzeichnung „Das Kirchdorf“ im Musée Bonnat in Bayonne, S. 38-41
    • Birgit Rauschert: Albrecht Dürer und die Anfänge der europäischen Landschaftsmalerei, S. 42-52
    • Birgit Rauschert: Dürers Verbindungen zu seinen humanistischen Zeitgenossen, S. 53-60

Presse

  • Kulturfreunde zeigen Albrecht Dürer. Nürnberger Künstler besuchte 1510 Heroldsberg und malte dabei das Bild »Das Kirchdorf« - Eröffnung am Freitag. In: Erlanger Nachrichten vom 19. Mai 2010 - EN
  • Sebastian Linstädt: Eberhard Brunel-Geuder verfügt über ein umfangreiches Privatarchiv mit Ansichten von Heroldsberg. Der Wandel der Vier-Schlösser-Gemeinde. In: Nürnberger Zeitung vom Samstag, 6. Dezember 2014, S. 24 - PDF kulturfreunde-heroldsberg.de
  • Manfred Leuthel: Schloß als Vorzeigeprojekt. Kulturfreunde Heroldsberg feiern ihr 25-jähriges Bestehen mit Jubiläumskonzert. In: Nürnberger Zeitung Nr. 124 vom 1. Juni 2016, S. 37

Querverweise

Sachartikel

Personenartikel

Netzverweise

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. * Herbert und Hannelore Liedel: Auf den Spuren von Albrecht Dürer nach Italien. Eine fotografische Entdeckungsreise. Fotos: Herbert Liedel, Texte: Dr. Jutta Tschoeke, Seite 12
  2. Als nach 1800 die ersten Zeitungen entstanden, in den Schulen Deutsch unterrichtet wurde und allmählich immer mehr Menschen die Lutherbibel lesen konnten, wurden Postboten und Postkutschen nötig. Das Posttransportmonopol sicherte sich der Fürst von Thurn und Taxis, der Postrouten einrichtete. Von da kündigte das Horn des Postillions an: „Tatü-tata, die Post ist da!“ - Bundespräsident Walter Scheel wurde populär mit dem Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen sitz ich beim Schwager vorn. Vorwärts die Rosse traben, lustig schmettert das Horn.“ Die spätere Reichspost des Deutschen Kaiserreichs ab 1881 beschäftigte dann Postboten: „Klingelingeling, die Post ist da!“. Parallel dazu gab es private Zeitungsverkäufer, und die Zeitungsverlage stellten Zeitungsausträger ein. Ein bekanntes Nürnberger Original ist der „Zeitungskoarla“. Manfred Riebe, 16.06.2018

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