Nürnberger Tand

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Nürnberger Tand bedeutet Nürnberger Handelsware, insbesondere Spielzeug.

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Geschichte

Der erste Beleg für „Nürnberger Tand“ im frühen 15. Jahrhundert sieht die Bezeichnung nicht als Synonym für Nürnberger Handelsware, sondern als Spottwort brandenburgischer Adeliger auf ihren neuen Kurfürsten, Burggraf Friedrich VI. („Tand von Nürnberg“).

Die Waren des Nürnberger Handels dagegen wurden in den Quellen ursprünglich als Nürnberger Waren, Nürnberger Kramwaren oder Nürnberger Pfenwert (= Pfennige wert) bezeichnet. Damit sind die Erzeugnisse des Kleinmetallgewerbes gemeint: Metalle, Bleche, Draht, Nadeln, Gefäße, Beschläge, Leuchter und Lampen, Becken und Schüsseln, Waagen, Klistierspritzen, Kompasse, Kannen und Becher, Messer aller Art, Zirkel und Schellen, Fingerhüte, Besteck, Geschirr, Rüstungen und nicht zuletzt Waffen, aber auch Borsten und Pinsel, Knöpfe und Kämme, Spiegelglas usw., die bis nach Afrika und Amerika vertrieben wurden.

Für die Nürnberger Waren ist seit dem 15. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert das Synonym „Nürnberger Hand“ (= Handwerkserzeugnisse) im früher bekannten Sprichwort „Nürnberger Hand geht durch alle Land“ belegt.

Im 16. Jahrhundert erfand der Kunstschlosser Hans Ehemann, das Zang- oder Zankeisen, ein Kinderspielzeug, das „Tand“ genannt wurde. Dieser Begriff dehnte sich im 17./18. Jahrhundert auf weiteres Spielzeug aus.

Erst das 19. Jahrhundert formte aus „Nürnberger Hand geht durch alle Land“ das Sprichwort „Nürnberger Tand geht durch alle Land“.

1910 wurde das Wandgemälde „Kaufmannszug“ von Georg Kellner in Nürnberg am Gebäude der Industrie- und Handelskammer, Hauptmarkt 25-27, aufgemalt. [1]

Auf der Ostfassade des Kammergebäudes ist der Kaufmannszug des 16. Jahrhunderts zu sehen, unter dem der Spruch steht „Nürnberger Tand geht durch alle Land“. Auf der Südseite wird der Nürnberger Fernhandel dargestellt.

Literatur

Nürnberger Tand in der Literatur (Auswahl)

  • Ludovika Hesekiel: Nürnberger Tand. Eine Geschichte aus dem fünfzehnten Jahrhundert. 4. Auflage. Jena: Hermann Costenoble, 1911, 419 S.; Schriftenvertriebsanstalt Kranzverlag, ca. 1920, 436 S.
  • Gustav Bub: Nürnberger Tand. Erbauliches und Beschauliches aus Nürnbergs alter Zeit. Erste Ausgabe. Nürnberg und Berlin: Ulrich, 1935, 103 S. (Enthält 42 Anekdoten, Schnurren und Geschichten über Alt-Nürnberg.)
  • Otto Barthel: Nürnberg, Heimatgeschichtliches Lesebuch. Berichte, Gedichte, Erzählungen, Urkunden, Bilder. Nürnberg: Fränkische Verlagsanstalt und Buchdruckerei GmbH, Nürnberg, 1955, 319 S.
  • Renate Krüger: Nürnberger Tand. Historia eines Narren, eines Stummen und dreier gottloser Maler. Berlin: Union Verlag, 1974, S. 357; 3. Auflage, 1983, und: Pinnow: Edition digital, Pekrul & Sohn GbR, ISDN 978-3-86394-4 (E-Book) - books.google.de
  • Dr. Will Keller: Franken. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1995, Merian, 4/1995, 130 S. (Inhalt: Franken, Reise in das deutsche Mittelalter, Nürnberger Tand für die Welt, ...)
  • Hubert Weiler: Nürnberger Tand geht durch alle Land - welche Situation stellt sich heute dar? Vortrag, 9. September 1997. Hrsg.: Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, Abteilung Außenwirtschaft. Nürnberg: IHK, 1997, 9, 4 S. (Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken: Schriften und Arbeitspapiere, Nr. 509)
  • „Nürnberger Tand geht in alle Land“. Die Außenwirtschaft Mittelfrankens in Zahlen. Hrsg.: IHK Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, Abteilung Außenwirtschaft. Nürnberg: IHK Nürnberg für Mittelfranken, 1999, 23 S. (Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken: Schriften und Arbeitspapiere, Nr. 006)

Literatur über Nürnberger Tand (Auswahl)

  • Friedrich Mayer: Nürnberg und seine Merkwürdigkeiten. Ein Wegweiser für Fremde; mit 12 Tafeln Ansichten und dem Grundriß der Stadt in 2 Blättern. Mit einem Nachwort von Klaus Matthäus. Nachdruck der 1. Auflage aus dem Jahre 1849 mit dem Nachtrag 1852. Erlangen: Palm und Enke, 1980, VIII, 182, 12 S., 12 Ill. (Bibliotheca Franconica; Band 4) [In Fraktur]
  • Werner Schultheiß: Aus der Geschichte des Nürnberger Spielzeugs. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Band 53, 1965, S. 424-429 - MVGN
  • Mary Hillier: Puppen und Puppenmacher. Übersetzung aus dem Englischen (Dolls and Dollmakers; 1968) von Christa von der Marwitz. Frankfurt: Ariel Verlag, 1968, 256 Seiten mit 264 Fotos, ISBN 3-7606-0101-4; Stuttgart: Mundus, 1986, 256 S. (Darin u.a.: Nürnberger Tand geht in alle Land)
  • Herbert Maas: Asuu und ned andersch. Deftiges und Deutliches über Nürnberger Wörter. Zeichnungen von Jules Stauber. Fotos von Erich Guttenberger. Nürnberg: Verlag Nürnberger Presse, 1991, 216, 10 S., ISBN 3-920701-82-8; hier: S. 107-109
    • Rezension von Robert Schuh: Herbert Maas: Asuu und ned andersch. Deftiges und Deutliches über Nürnberger Wörter. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN) Band 80, 1993, S. 259 f. - MVGN
  • Dieter Piechullek: Nürnberger Tand geht durch alle Land. Beiträge zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Verlag: Edelmann, 1993, 56 S., ISBN 3871911844 (Sonderausgabe einer Nürnberger Wirtschaftsgeschichte, die in der „Mittelfränkischen Wirtschaft“ abgedruckt wurde)
  • Daniela Semann: 100 Jahre Kaufmannszug. Nürnberger Tand geht durch alle Land. In: WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09/2010, Rubrik Berichte, Analysen, Seite 12 - WiM

Querverweise

Netzverweise

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Michael Diefenbacher: Nürnberger Tand. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, ISBN 3-921590-69-8 - im Netz