Gudrun Rödel (Nürnberger Rede)

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Der Artikel Gudrun Rödel (Nürnberger Rede) enthält die Rede Gudrun Rödels bei der Großkundgebung „EMPÖRT EUCH – Recht und Freiheit für Gustl Mollath“ am 27. Juli 2013 in Nürnberg.

Gudrun Rödel
von rechts: Rödel, Streibl, Schlötterer
Streibl, Gantzer, Rödel, Riebe

Einführung

Gudrun Rödel hielt ihre Ansprache als Mitglied des Unterstützerkreises „Gustl Mollath“ und als Mitglied der Bürgerinitiative „Gerechtigkeit für Ulvi“.

Auf Grund der geistigen Behinderung ihrer Tochter, die 2010 im Alter von 41 Jahren verstarb, hatte Gudrun Rödel ein Leben lang enge Kontakte zu behinderten Menschen.

Seit acht Jahren engagiert sich Gudrun Rödel für den geistig behinderten Ulvi Kulaç. Ehrlichkeit und Gerechtigkeit wurden ihr von ihren Eltern vorgelebt, so daß es ihr aus tiefstem Herzen kam, für Ulvi und seine Familie etwas zu tun, auch aus Empörung, wie sich die Justiz gerade gegenüber einem solch hilflosen, wehrlosen Menschen verhalten hatte.

Nach ihrer Vorstellung verlas sie ihren Offenen Brief an den Bundespräsidenten Joachim Gauck, mit dem sie sich auch für andere Justiz- und Psychiatrieopfer einsetzt.

Vorstellung

Zu meiner Person: Mein Name ist Gudrun Rödel, ich stamme aus Zwickau und bin 65 Jahre alt. Ich war 21 Jahre als Rechtsanwaltssekretärin bzw. Büroleiterin tätig und bekam daher viele Einblicke in die Mechanismen der Justiz - auch 10 Jahre in der DDR. Was ich aber hier in einem Rechtsstaat wie die Bundesrepublik Deutschland erlebe - besonders im Fall Gustl Mollath - hätte ich mir damals nicht vorstellen können.
Die Kundgebung für Gustl Mollath sah ich als eine Chance, einen Offenen Brief an den Bundespräsidenten Joachim Gauck zu verfassen und in Nürnberg die Öffentlichkeit auf weitere Justizopfer hinzuweisen.

Offener Brief

Appell an Joachim Gauck

Seite 1

Gudrun Rödel
Oderweg 4
95213 Münchberg


Herrn
Bundespräsident
Joachim Gauck
Bundespräsidialamt
Spreeweg 1

10557 B e r l i n


Nürnberg, am 27. Juli 2013

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Gauck!

Menschen aus ganz Deutschland haben sich heute in Nürnberg zusammengefunden, um in friedlicher Weise das Recht und die Freilassung von Herrn Gustl Mollath zu fordern. Das Schicksal von Herrn Mollath läßt unbescholtene Bürger unseres Landes erschaudern und Zweifel an den Mechanismen unseres Rechtsstaates aufkommen, insofern sie durch kriminelle Handlungen von Politikern, Staatsanwälten und Gutachtern unterlaufen werden.

Es ist kein Geheimnis, daß sich in Bayern doppelt so viel Menschen in psychiatrischen Einrichtungen befinden als in anderen Bundesländern. Bereits im Jahr 2008 stellte die Landtagspräsidentin, Frau Christine Stahl, fest, daß sich allein in Bayern 130 Menschen unschuldig in Haft befinden.


Monika Müller-Zouras Juli 2013
Foto: Gudrun Rödel

In einem mit Scheinindizien geführten Prozeß verurteilte das Landgericht Hof 2004 unter Mißachtung der Menschenrechte den geistig behinderten Ulvi Kulaç als Mörder der kleinen Peggy Knobloch aus Oberfranken; bis zum heutigen Tag gibt es keinen Beweis, daß überhaupt ein Mord stattgefunden hat.

Alexander Zouras wurde 2004 durch ein skandalöses Urteil des Landgerichts München als der „Messerstecher von Schwabing“ bekannt und zur Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung verurteilt. Da er kein Geständnis ablegte (weil er die Tat nicht begangen hat) und Medikamente ablehnte, wird er seitdem zwangsmedikamentiert und ist Repressalien wie wochenlange Isolationshaft mit Fixierung ausgesetzt, was nach den Richtlinien der UN-Menschenrechtskonvention als Folter deklariert wird.

Matthias Frey ist auf Grund eines Urteils des Landgerichts Bamberg mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld seit 17 Jahren in der JVA Bayreuth inhaftiert, weil er zwei junge Menschen umgebracht haben soll. Der anerkannte Gerichtsmediziner, Professor Eisenmenger, Leiter des Rechtsmedizinischen Instituts der Universität München,[1] stellte 2005 jedoch fest, daß er keinesfalls der Täter sein konnte. Die Strafvollstreckungsbehörde Bayreuth sieht jedoch auch nach einer solch langen Haftzeit keine Veranlassung für eine Freilassung, da Matthias Frey nach wie vor ein Tatleugner sei!

Seite 2

Gustl Mollath, Ulvi Kulaç, ‎Alexander Zouras und Matthias Frey – das sind nur einige wenige Beispiele von Bürgern, denen ihr Leben und das ihrer Familien durch derartige Machenschaften zerstört wurde.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!

Ich darf Sie inständig bitten, Ihren christlichen Moralanspruch geltend zu machen und der Justiz und Politik mahnend für dringend erforderliche Justizreformen zur Seite zu stehen, aber auch für Gerechtigkeit Sorge zu tragen, daß die ihre Rechtspflichten verletzenden Personen zur Verantwortung gezogen und bestraft werden; andernfalls sind der Willkür der Strafinstanzen keine Grenzen gesetzt.

Hochachtungsvoll

Gudrun Rödel

– Mitglied des Unterstützerkreises „Gustl Mollath“

- Mitglied der Bürgerinitiative „Gerechtigkeit für Ulvi“

Joachim Gauck

Am 3. September 2013 berichtete Gudrun Rödel, sie habe noch keine Antwort vom Bundespräsidenten erhalten.

Fotogalerie

Kontakt

Gudrun Rödel
Oderweg 4
95213 Münchberg
http://www.ulvi-kulac.de/

Literatur

Presse

  • Florian Ernst: Polizei fasst Messerstecher von Schwabing. Verdächtiger psychisch krank. In: Münchner Merkur vom 28. Juni 2003 - merkur-online.de
  • Monika Maier-Albang: Polizei-Fahndung. Unheimlicher Messerstecher. Nach einer Messer-Attacke in Schwabing sucht die Mordkommission nach einem etwa 30 bis 40 Jahre alten Mann. Der Unbekannte hatte am Mittwoch eine Krankenschwester angegriffen - das Opfer bleibt womöglich gelähmt. In: Süddeutsche Zeitung vom 19. Mai 2010 - sueddeutsche.de (SZ vom 27.6.2003)
  • Stefan Weinzierl und Bettina Link: Messerstecher in Psychiatrie untergebracht. In: Münchner Merkur vom 25. Mai 2004 - merkur-online.de
  • Dr. Bernhard Pallmann: Der Tod Ihres Sohnes Holger war nicht umsonst. In: Rundschau: Opfer der Zwangspsychiatrie vom 5. Juni 2011 11:53 - fernsehen.ch
  • Igelin [= Rosel Zierd]: Der Tod Ihres Sohnes Holger war nicht umsonst, 6. Juni 2011 - igelin.blog.de
  • dapd: Neue Hoffnung auf Freiheit für Ulvi K. - Elf Jahre nach dem Verschwinden einer Neunjährigen steht der Prozess vor der Wiederaufnahme. In: Die Welt vom 16. Juli 2012 - welt.de
  • Joachim Dankbar: Scharfe Kritik an Ermittlungen. Ulvi-Verteidiger wirft der Kripo vor, Entlastungszeugen unter Druck gesetzt zu haben. Er ist sicher, dass das Geständnis 2004 falsch gewesen ist. In: Frankenpost vom 5. April 2013 - frankenpost.de
  • Marcus Klöckner: Fall Gustl Mollath. „Wenn nötig, gehen wir vor den Europäischen Gerichtshof“. Am Mittwoch hat das Landgericht Regensburg die Wiederaufnahme des Verfahrens von Gustl Mollath abgewiesen. Dessen Rechtsanwältin Erika Lorenz-Löblein gibt sich im FOCUS-Online-Interview aber kämpferisch – und nährt zugleich Zweifel. In: FOCUS, Samstag, 27. Juli 2013 - focus.de
  • VIP: AW [= Nina Hagen]: Zufälle???, vom 29. Juli 2013, 10:31 Uhr - open-speech.com
  • Ursula Prem: Demonstration am 27. Juli 2013 in Nürnberg - Dankschreiben von Gustl Mollath. In: Autorenblog ein-buch-lesen.de, Mittwoch, 31. Juli 2013 - ein-buch-lesen.de
  • Elfriede Schneider: „Ich brauche keinen Krimi, ich lebe in einem.“ Gudrun Rödel aus Münchberg will mit ihrer Bürgerinitiative die Freilassung des Verurteilten erreichen. In: Frankenpost vom 7. September 2013 - frankenpost.de
  • Helmut Reister, NZ/dpa: Das Gewissen ließ keine Ruhe. Verhinderte ein Anwalt neue Ermittlungen im Fall Peggy? In: Nürnberger Zeitung Nr. 210 vom 10. September 2013, S. 16 - [ NZ]
  • ⇛ Joachim Dankbar: Jeder kann der nächste Mollath sein. Eine Veranstaltung in Bayreuth weist darauf hin, dass es noch mehr fragwürdige Fälle gibt. Längst nicht jeder in der Psychiatrie Untergebrachte bekomme eine zweite Chance. In: Frankenpost vom 8. März 2014 - frankenpost.de

Querverweise

Sachartikel

Personenartikel

Justiz- und Psychiatrieopfer

Netzverweise

  • Großkundgebung „Recht und Freiheit für Gustl Mollath“ - Facebook

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. * Prof. Dr. med. Wolfgang Eisenmenger - rechtsmedizin.med.uni-muenchen.de

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