Horst Müller (Nürnberg)

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Horst Müller (* 19. September 1945 in Neustadt bei Coburg) ist ein promovierter Soziologe, Sozialinformatiker und Sozialphilosoph. Seine Schwerpunkte sind Konkrete Praxisphilosophie, politische Ökonomie und Stadt- und Sozialforschung.

Horst Müller
Foto: privat

Leben und Wirken

Studium

Horst Müller studierte Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Philosophie sowie politische Wissenschaft in Nürnberg und Erlangen. 1982 wurde er an der Universität Erlangen mit einer Doktorarbeit „Praxis und Intersubjektivität. Geistesgeschichtliche Untersuchungen in konstitutionstheoretischer Perspektive“ zum Dr. phil. promoviert.

Sozialinformatiker

Er arbeitete von 1984 bis zum Frühsommer 2010 hauptberuflich als Sozialinformatiker in Nürnberg. Dort entwickelte und betreute er den Stadtwegweiser der Stadt Nürnberg, eine Informationsdatenbank über das gesamte soziale, kulturelle und öffentliche Leben der Stadt Nürnberg.

Sozialphilosoph

Sein besonderes Interesse gilt der dialektischen Philosophie und politischen Ökonomie. Er ist seit 1968 aktiv und bis heute in verschiedenen philosophischen, gesellschaftstheoretischen und politischen Wirkkreisen tätig.

Nachhaltige Impulse gab die Beteiligung an der Marxismusdiskussion an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg (FESt) in den 70er Jahren, das Engagement in internationalen praxisphilosophischen Diskursen der AG „Philosophische Grundlagenprobleme“ in Kassel in den 80er und 90er Jahren und ein vieljähriges Engagement von 1985 bis 1995 im Sprecherrat der Ernst-Bloch-Assoziation (EBA).

Seit 2001 gestaltet Horst Müller das Portal für Praxisphilosophie und veranstaltet in Kontakt mit örtlichen Sozialbewegungen ein Forum politische Philosophie. Die Webseite lädt ein zur Vernetzung und Verstärkung der Initiative für Praxisphilosophie und konkrete Wissenschaft. Sie stellt vielseitiges Studienmaterial zur Verfügung. Die erste Tagungsveranstaltung der Initiative fand 2004 statt, die zweite PRAXIS-Tagung 2006, eine dritte im Frühjahr 2010. Die Beiträge sind in Sammelbänden dokumentiert. Auf diesem Weg entwickelt sich der philosophisch, ökonomisch und politisch profilierte Ansatz weiter.

In Auseinandersetzungen mit traditionellen Marxismen, mit der Kritischen Theorie und anderen Grundpositionen der modernen Gesellschaftstheorie kristallisierte sich die Arbeitsperspektive einer Konkreten Praxisphilosophie, die den Kern der Marxschen Idee für unsere Zeit übersetzt, das heißt als Konstitutions- und Erkennntistheorie gesellschaftlicher Wirklichkeit ausformt und als streitbares Wissenschaftskonzept zur Geltung bringt. Dem entspricht eine praxiswissenschaftliche Herangehensweise an Fragen der politischen Ökonomie.

Auf diesem Gebiet führte das Studium der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie und die hauptberufliche Tätigkeit als Sozialinformatiker zu einer erweiterten Auffassung bezüglich des Systems der gesellschaftlichen Arbeit, zu einer neuen Modellierung der gesellschaftlichen Reproduktion und zu dem politisch-ökonomischen Konzept einer Sozialwirtschaft als Systemalternative. Dieses überschreitet die traditionelle Kapital- und Krisentheorie und ist als materialistisch-utopistischer Entwurf für eine alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsverfassung zu verstehen.

Damit ist zugleich die verstärkte Kritik neoliberaler Wirtschaftskonzepte und die Diskussion mit Ansätzen einer alternativen Wirtschaftstheorie annonciert: Die neuen sozialen und globalisierungskritischen Bewegungen können auf Dauer kein Durchsetzungsvermögen entwickeln, wenn sie ihre sozialphilosophischen Wurzeln nicht vertiefen und keine vertrauenswürdige Alternative, das heißt keine positive, politisch-ökonomisch fundierte Programmatik der gesellschaftlichen Transformation vorstellen.

„Praxis und Hoffnung. Studien zur Philosophie und Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis von Marx bis Bloch und Lefèbvre“ (1986) ist die theoriegeschichtlich und systematisch grundlegende Arbeit von Horst Müller. Seither sind zahlreiche Artikel veröffentlicht. Im Anschluß an Tagungsereignisse wurden die Sammelbände „Das PRAXIS-Konzept im Zentrum gesellschaftskritischer Wissenschaft“ (2005), „Die Übergangsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Kritik, Analytik, Alternativen“ (2007) und „Von der Systemkritik zur gesellschaftlichen Transformation“ (2010) herausgegeben.

Zukünftig werden kooperative Arbeitszusammenhänge oder auch aktuelle Interventionen im Hinblick auf eine mögliche sozialwirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation angestrebt. Auf längere Sicht soll für die praxisphilosophische Initiative eine institutionelle Basis geschaffen werden. Dazu sind Diskussionsteilnehmer, Kooperationspartner, Mitstreiter und auch finanzielle Zuwendungen zur Unterstützung der vielseitigen Aktivitäten willkommen. [1]

Kontakt

Initiative für Praxisphilosophie und konkrete Wissenschaft
(Praxisphilosophische Initiative)
c/o Dr. Horst Müller
Meuschelstraße 30
D-90408 Nürnberg
Tel. (0911) 33 77 81
Fax (0911) 33 77 81
E-Mail: dr.horst.mueller@t-online.de
Netzseite: http://www.praxisphilosophie.de/

Veröffentlichungen

Dissertation

  • Praxis und Intersubjektivität. Geistesgeschichtliche Untersuchungen in konstitutionstheoretischer Perspektive. Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen. Erlangen, 1982

Bücher

  • Praxis und Hoffnung. Studien zur Philosophie und Wissenschaftlichen gesellschaftlichen Praxis von Marx bis Bloch und Lefèbvre. (gekürzte Fassung der Dissertation von 1982) Bochum: Germinal-Verlag, 1986, 160 S., ISBN 3-88663-509-0 (Schriftenreihe zu Fragen der materialistischen Dialektik)
  • Hrsg.: Das Praxis-Konzept im Zentrum gesellschaftskritischer Wissenschaft [Konkrete Praxisphilosophie - Grundlagen und Aktualität ; Karl Marx als Vorausdenker im 21. Jahrhundert; Von der Reproduktionstheorie zur System-Alternative]. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2005, 308 S., ISBN 3-8334-3737-5 (Studien zur Philosophie & Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis)
  • Hrsg.: Die Übergangsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Kritik, Analytik, Alternativen [Kritische Gesellschaftstheorie und konkrete Praxisanalytik; Produktivkraft der Informatik, Privatisierung des Öffentlichen; Scheitern des Realsozialismus und Alternativen im 21. Jahrhundert], 2. Auflage. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2007, 300 S., ISBN 978-3-8334-9769-8, ISBN 3-8334-9769-6 (Studien zur Philosophie & Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis)
  • Vom Marxismus zur konkreten Praxisphilosophie. Einführung mit Untersuchungen zu Marx, Bloch, Habermas, Mead, Bourdieu. Berlin: „Helle Panke“ e.V., 2008, 68 S. (Philosophische Gespräche; Heft 12)
  • Immanuel Wallerstein, Horst Müller: Systemkrise. Und was jetzt? Utopistische Analysen. [Sozialistische Studiengruppe (SOST) e.V.]. Hamburg: VSA, Supplement der Zeitschrift Sozialismus 4/2010, 51 S., ISBN 978-3-89965-956-6
  • Hrsg.: Von der Systemkritk zur gesellschaftlichen Transformation [Transformationsforschung: Aufgaben und Probleme; Marxismus und Praxisphilosophie, Praxiswissenschaft und Utopistik; Wirtschaftstheorie und gesellschaftliche Transformation; Potentiale und Perspektiven der urbanen Praxis], 1. Auflage. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2010, 356 S., ISBN 978-3-8391-8822-4, (Studien zur Philosophie & Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis)

Aufsätze

  • Marx, Mead und das Konzept widersprüchlicher Praxis. In: Zeitschrift für Soziologie (ZfS), Jahrgang 12, Heft 2, April 1983, S. 119-138 - http://www.praxisphilosophie.de
  • Bloch, Kofler und das Projekt einer utopisch-kritischen Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis. In: Christoph Jünke (Hrsg.): Am Beispiel Leo Koflers: Marxismus im 20. Jahrhundert. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2001, 329 S., ISBN 3-89691-427-8 ; hier S. 212-235
  • Die Staatsquote und Transformationstendenzen in Wirtschaft und Gesellschaft. In: UTOPIE kreativ Nr. 132, Oktober 2001, S. 909-924 - http://www.rosalux.de
  • Theoretische Wurzeln und Arbeitsaufgaben des Praxiskonzept. In: Volker Caysa, Helmut Seidel, Dieter Wittich (Hrsg.): Zum philosophischen Praxis-Begriff. Die zweite Praxis-Diskussion in der DDR. Texte zur Philosophie Heft 12, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 2002, S. 141-164
  • Perspektiven der gesellschaftlichen Transformation. Zur Diskussion von Immanuel Wallersteins Utopistik, Teil 1 + 2. In: Zeitschrift grundrisse, Nr. 9 + 10, Wien 2004 - http://www.grundrisse.net
  • Karl Marx, der Marxismus und die Philosophie der Praxis. Zur Re-Konzeptualisierung der politischen Philosophie. In: Aufklärung und Kritik, Sonderheft 10/2005, S. 179-193
  • Horst Müller (Hrsg.): Das Praxis-Konzept im Zentrum gesellschaftskritischer Wissenschaft. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2005, 308 S., ISBN 3-8334-3737-5, darin die Beiträge
    • Zur Selbstverständigung über Kämpfe und Wünsche (Einleitung), S. 7-22
    • Der Bogen Feuerbach, Marx, Bloch, Bourdieu, S. 24-40
    • Zur Neuordnung des theoretischen Feldes der politischen Ökonomie, S. 182-206
  • Der Bogen Feuerbach, Marx, Bloch, Bourdieu. Realismus und Modernität des Praxisdenkens In: Weigand Karlheinz (Hrsg.): Bloch-Almanach. Periodikum des Ernst-Bloch-Archivs der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Jahrgang 24/2005, Talheimer Verlag, Mössingen-Talheim 2005, S. 9-28
  • Horst Müller (Hrsg.): Die Übergangsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2007, 300 S., ISBN 978-3-8334-9769-8, darin der Beitrag
    • Alternativkonzepte der politischen Ökonomie - Sozialismus des 21. Jahrhunderts?, S. 204-266
  • Horst Müller (Hrsg.): Von der Systemkritik zur gesellschaftlichen Transformation. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2010, 356 S., ISBN 978-3-8391-8822-4, darin die Beiträge
    • Zur kritischen und utopistischen Wissenschaftskonzeption des Praxisdenkens, S. 279-126
    • Zur wert- und reproduktionstheoretischen Grundlegung und Transformation zu einer Ökonomie des Gemeinwesens, S. 157-228

Querverweise

Netzverweise

  • Initiative für Praxisphilosophie und konkrete Wissenschaft - im Netz
  • Die Suppe neu kochen - Interview beim Portal für Online-Journalismus Telepolis (07.10.2007) - im Netz

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. http://www.praxisphilosophie.de/start.htm