Verein für Sprachpflege

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Der Verein für Sprachpflege e. V. (VfS) ist ein Sprachpflegeverein mit Sitz in Erlangen. Der VfS gibt zur Förderung der Sprachpflege die größte deutsche Sprachzeitung heraus, die Deutsche Sprachwelt. Der Verein ist Mitglied in der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft.

VfS.gif
Verein für Sprachpflege e.V.
Vereinstyp Sprachpflegeverein
Sitz Erlangen
Bundesland Bayern
Land Deutschland
Gründungsjahr 1963
Vorsitzender Thomas Paulwitz
Anschrift Postfach 1449

91004 Erlangen

Telefon 09131 – 48 06 61
Telefax 09131 – 48 06 62
E-Mail
Webseite

Zur Geschichte

Beim „Verein für Sprachpflege“ handelt es sich heute um einen überregionalen „Zusammenschluß von Vertretern verschiedener Vereine mit dem Ziel, gemeinsam erarbeitete Publikationen zu ermöglichen.“ [1] Der Verein übt dabei eine „koordinierende Rolle“ aus. [2] So wirkte er im Jahre 2007 zusammen mit anderen Sprachvereinen bei der Wiedergründung der Fruchtbringenden Gesellschaft mit. [3]

Der „Verein für Sprachpflege“ wurde 1963 von dem Gymnasiallehrer Heinrich Heeger (1917–1985) in Hamburg gegründet, dessen Vorsitzender er bis kurz vor seinem Tod war. Ursprünglich war Heeger der Hamburger Zweigvorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache. Ab Winter 1971 nannte Heinrich Heeger den Verein auch „Hamburger Verein für Sprachpflege“. Heeger gab die Vereinszeitschrift „Der Sprachpfleger“ in Frakturschrift heraus, um diese traditionsreiche Schrift zu pflegen. Am 3. Januar 1941 hatte Hitler die Fraktur, Sütterlin bzw. gotische Schrift verboten, weil er meinte, es handele sich um „Schwabacher Judenlettern“.[4] Daher erschienen alle Druckschriften ab 1941, auch der Duden 1942, erstmals in Antiqua, und die Schüler mußten seitdem die lateinische Schrift lernen. [5] „Der Sprachpfleger“ erschien in 86 Ausgaben in 23 Jahrgängen.

Später wurde der Sitz des Vereins nach Mainz verlegt. Am 6. November 1999 wurde ein neuer Vorstand mit dem Vorsitzenden des Vereins Muttersprache, Wien, Stefan Micko (Erstvorsitzer), dem Vorsitzenden des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS), Schwaig bei Nürnberg, Manfred Riebe (Zweitvorsitzer), und anderen, darunter Thomas Paulwitz, Erlangen (Beisitzer), gewählt. In Erlangen wird seit Mai 2000 die Sprachzeitung Deutsche Sprachwelt herausgegeben.

Im Dezember 2000 fand eine Neugründung des Vereins für Sprachpflege mit einem neuen Vorstand statt mit einer breiteren und weniger puristischen Ausrichtung. Der Regionalbeauftragte des Vereins Deutsche Sprache, Professor Hans-Manfred Niedetzky, war von Mai 2001 bis April 2005 Erster Vorsitzender. Auf ihn folgte Thomas Paulwitz.

Aufgaben und Ziele

Der Verein tritt für eine Sprachpflege im weitesten Sinn ein. So wendet er sich z.B. gegen die Überhäufung der deutschen Sprache mit Anglizismen und tritt gegen die Verunsicherung durch die neue Rechtschreibung auf. Er informiert im Internet mit einem „Portal zur Sprachpflege“ über Fragen aus dem Gebiet der Sprachpflege.

Eine Art Grundsatzprogramm des Vereins sind dessen „Zehn sprachpolitische Forderungen“:

  1. Deutsch muß im öffentlichen Raum die vorrangige Sprache sein.
  2. Die Unterrichtssprache in Schulen und Hochschulen ist Deutsch. Deutsch muß nationale Wissenschaftssprache sein.
  3. Die deutsche Rechtschreibung muß einheitlich geregelt sein.
  4. Deutsch muß in der Europäischen Union Arbeits- und Veröffentlichungssprache sein.
  5. Die deutschen Mundarten und die deutsche Schrift sind besonders zu schützen.
  6. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist Voraussetzung für Einbürgerung und langfristigen Aufenthalt.
  7. Bildung und Familie müssen gefördert werden, um die deutsche Sprache zu stärken.
  8. Die deutsche Sprache muß auch im Ausland gefördert werden.
  9. Die deutsche Sprache ist vor politischem Mißbrauch zu schützen.
  10. Ein neuer Deutscher Sprachrat betreut die Erfüllung dieser Forderungen. [6]

Der VfS unterstützte im Jahr 2005 das Projekt „Bücher aus dem Feuer“, bei dem aus den Büchern vorgelesen wird, die unter den Nationalsozialisten öffentlich verbrannt worden waren. [7]

Den Rat für deutsche Rechtschreibung kritisierte der VfS im Jahr 2007 als „träge“. [8]

Veröffentlichungen

  • Der Sprachpfleger. Blätter zur Pflege der deutschen Sprache. Hrsg. im Auftrag des „Vereins für Sprachpflege“ (1963), ab 1971-1985: „Hamburger Verein für Sprachpflege“ von Heinrich Heeger. Hamburg: Verein für Sprachpflege, Jg. 1-17 Heft 1/1963 bis 1979 [gedruckt in Fraktur; erschien vierteljährlich]
  • Der Sprachpfleger. Blätter für gutes Deutsch. Hrsg. vom Verein für Sprachpflege. Repr.: Erlangen: Feller. Nr. 1, 1963. Hamburg: Verein, 1963. Darin Verein für Sprachpflege <Hannover>: Sprachecke des Vereins für Sprachpflege, Hannover, ISSN 0344-8193
  • Der Sprachpfleger. Blätter für gutes Deutsch. Hrsg. vom Verein für Sprachpflege e.V., Heft 93/94. Jg. 27 (Verlagswechsel); Hamburg: Verein für Sprachpflege, 1989. Erschien jährlich zweimal. Früher verlegt von Heinrich Heeger, Stutsmoor 12, Hamburg. Vermutlich Erscheinen eingestellt. ISSN 0344-8193
  • Heinrich Heeger: Das Verbot der deutschen Schrift durch Adolf Hitler im Lichte einer schriftgeschichtlichen Betrachtung. In: Die deutsche Schrift, Heft 55, Sonderheft, Winter 1977, S. 10 f.
  • Heinrich Heeger (1983): Streifzüge durch die Geschichte der Sprachpflege bei uns und anderswo. In: Die deutsche Schrift, Heft 4, 2005 (156. Folge), S. 8
  • Heinrich Heeger (1983): „Heide“ / „Haide“ bei Hermann Löns und bei Adalbert Stifter. In: Die deutsche Schrift, Heft 4, 2005 (156. Folge), S. 28
  • Heinrich Heeger (1982): Einige Sätze und Sprüche, Gedanken und Einfälle zur Sprachpflege. Beiheft In: Die deutsche Schrift, Heft 4, 2005 (156. Folge) - im Netz
  • Heinrich Heeger (1982): Stichelreime zur Groß- und Kleinschreibung. Beiheft. In: Die deutsche Schrift, Heft 4, 2005 (156. Folge) - im Netz
  • Hans Riegelmann: Von deutscher Sprache und Schrift. Gründe für die Pflege der deutschen Sprache und den Erhalt der deutschen Schrift. Aus dem Nachlaß bearbeitet von Wolfgang Hendlmeier, hrsg. vom Verein für Sprachpflege Hamburg. Bremen: Hanseatische Verlags-Anstalt, 1993, 284 S., ISBN 3-8179-0020-1 (In Fraktur)
  • Deutsche Sprachwelt. Die Plattform für alle, die Sprache lieben. Hrsg.: Verein für Sprachpflege e.V., Erlangen (erscheint seit Mai 2000)
  • Thomas Paulwitz: Frühes Erkennen und Fördern soll helfen. Sprachstandserhebung: Nicht nur Ausländerkinder kommen mit schlechten Sprachkenntnissen in die Schule. In: Deutsche Sprachwelt. Ausgabe 12, 20. Juni 2003. 4. Jahrgang. Erlangen: Verein für Sprachpflege e.V., Eigenverlag, 2003, 12 S.
  • Thomas Paulwitz: Auf englisch denken wir anders. Warum wir die Wissenschaftssprache Deutsch weiterhin brauchen. In: Deutsche Sprachwelt. Ausgabe 13, 20. September 2003. 4. Jahrgang. Erlangen: Verein für Sprachpflege e.V., Eigenverlag 2003, 12 S.
  • Thomas Paulwitz: Altes Europa? Lebendiges Deutsch! Die Deutsche Sprachwelt erstmals auf der Leipziger Buchmesse. In: Deutsche Sprachwelt. Ausgabe 11, 20. März 2003. Erlangen: Verein für Sprachpflege e.V., Eigenverlag 2003, 12 S.
  • Thomas Paulwitz: Zur Einheitlichkeit der Rechtschreibung finden. Die Kultusminister reformieren jedoch weiter - Die Deutsche Sprachwelt schaut ihnen dabei auf die Finger. In: Deutsche Sprachwelt. Ausgabe 16, 20. Juni 2004, Erlangen: Verein für Sprachpflege e.V., Eigenverlag, 12 S.
  • Dieter Stein (Hrsg.): Rettet die deutsche Sprache. Beiträge, Interviews und Materialien zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen. Edition Junge Freiheit, Berlin 2004 (Reihe Dokumentation, Band 9), ISBN 3-929886-21-9 (mit einem Beitrag über den Verein für Sprachpflege)

Literatur

  • Silke Wiechers: „Wir sind das Sprachvolk“ – aktuelle Bestrebungen von Sprachvereinen und -initiativen, in: Muttersprache – Vierteljahresschrift für deutsche Sprache, 111 (Juni 2001), Heft 2, Seite 147-162
  • Manfred Riebe: „Wahrung“ und „Förderung“ der Sprache (GfdS, IDS, VDS usw.), Schwaig bei Nürnberg, 2001 - VRS-Forum
  • Josef Rottenaicher (Umweltbeauftragter der Diözese Passau): Der Verein für Sprachpflege hat die Fastenzeit zur „quasselfreien Zeit“ erklärt. Bistum Passau, Umweltreferat, Infodienst Nr. 65, Fastenzeit 2005 - im Netz
  • Mathias Weifert: Zur 20. Wiederkehr des Todestages von Heinrich Heeger (1917-1985). In: Die deutsche Schrift, Heft 4, 2005, S. 2-7 - PDF-Datei

Presse

  • Dankwart Guratzsch: Sprachpfleger aus dem ganzen Land treffen sich diese Woche in Köthen. Die Stadt will die Kräfte aller Initiativen bündeln. Vom Reichtum des Deutschen. In: Die Welt vom 21. August 2007 - Welt-online
  • Hans-Peter Kastenhuber: Die Reise zu den Inseln der alten Rechtschreibung. In: Nürnberger Nachrichten vom 12. Januar 2013, S. 3 - NN

Querverweise

Netzverweise

  • Deutsche Sprachwelt - DSW

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Silke Wiechers: „Wir sind das Sprachvolk“ – aktuelle Bestrebungen von Sprachvereinen und -initiativen, in: Muttersprache – Vierteljahresschrift für deutsche Sprache, 111 (Juni 2001), Heft 2, Seite 147-162 - DSW
  2. Wolf Peter Klein: Fehlende Sprachloyalität? Tatsachen und Anmerkungen zur jüngsten Entwicklung des öffentlichen Sprachbewusstseins in Deutschland. In: Linguistik online 9, 2/2001 - im Netz
  3. Aktivitäten der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft - im Netz
  4. * Heinrich Heeger: Das Verbot der deutschen Schrift durch Adolf Hitler im Lichte einer schriftgeschichtlichen Betrachtung. In: Die deutsche Schrift, Heft 55, Sonderheft, Winter 1977, S. 10 f.
  5. Manfred Riebe: Die gotische oder deutsche Schrift (Sütterlin, Fraktur) - im Netz
  6. * Thomas Paulwitz: „Ist die deutsche Sprache ein Pflegefall?“ Vortrag vor dem Pegnesischen Blumenorden. Nürnberg, Caritas-Pirckheimer-Haus, Mittwoch, 4. Juni 2003, 19.30 Uhr
    • Pegnesischer Blumenorden: Zur Sprachpflege - Zehn sprachpolitische Forderungen, Bericht über den Vortrag von Thomas Paulwitz vom 4. Juni 2003 - PBlO
  7. Unterstützerliste „Bücher aus dem Feuer“ 2005, 12. September 2006 - im Netz
  8. Sprache driftet auseinander. In: Frankfurter Neue Presse, 25. Juni 2007 - im Netz
  9. Der Löschantragsteller Carol Christiansen ist der berüchtigte ehemalige Administrator Unscheinbar, der zahlreiche Sockenpuppen angemeldet hat und der mit seinen Helfern, Löschkampagnen durchführt. So ließ er auch in der Enzyklopädie PlusPedia seine Biographie löschen.

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