Werner Guth

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Werner Guth (* 1941 in Kassel, † 10. Dezember 2016 in Göttingen) war Gymnasiallehrer, Oberstudienrat i.R., Germanist, Historiker, Heimat-, Familien- und Namenforscher und Autor von Sach- und Mundartbüchern. Er lebte in Kirchberg, einem Stadtteil von Niedenstein im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Er war ein Kritiker der Rechtschreibreform von 1996 und verfaßte die satirisch gehaltene Schrift „Schildbürgers Rechtschreibreform‎ oder: Aus tiefer Not schrei(b) ich zu dir“.

Werner Guth
Guth, Schwarz uff wiß.jpg

Leben und Wirken

Schule und Studium

Werner Guth legte 1962 sein Abitur an der Goetheschule in Kassel ab und studierte nach seiner zweijährigen Bundeswehrzeit an den Universitäten Göttingen und Marburg Germanistik und Geschichte, nebenher auch Indogermanistik und Skandinavistik. Sein prägender Lehrer war der Marburger Literaturwissenschaftler Walter Falk.

Gymnasiallehrer

Guth unterrichtete nach seinem Referendariat an der Jacob-Grimm-Schule Kassel seit 1973 an der Gesamtschule Fuldatal-Ihringshausen Deutsch und Geschichte, seit 1983 am Gymnasium König-Heinrich-Schule Fritzlar Deutsch, Geschichte und Latein, parallel dazu dasselbe an der Gesamtschule Gudensberg. Im Jahr 2004 wurde er in den Ruhestand versetzt.

Heimatforschung Nordhessen

Werner Guth war als Mitglied der „Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck e.V.“ seit 1977 Mitinitiator und Mitarbeiter, bis 1979 auch Federführender einer Arbeitsgruppe zur Rekonstruktion der im Zweiten Weltkrieg vernichteten Kasseler Kirchenbücher. [1]

Guth war 1975 Gründungsmitglied des „Marburger Kreises für Epochenforschung e.V.“; hauptsächliches Arbeitsgebiet: Epochale Periodisierung neuzeitlicher deutscher Literatur mit dem von dem Marburger Germanistik-Professor Walter Falk entwickelten Verfahren der Komponentenanalyse.

In 17jähriger Arbeit wertete Guth unter genealogischen Gesichtspunkten alle erreichbaren Quellen zur Dorfschaft Kirchberg aus. Zur 975-Jahr-Feier des Ortes am 27. Juni 1996 legte er sein „Einwohner- und Familienbuch Kirchberg 1350–1900“ vor, in dem auf rund 600 Seiten über 2.000 Kleinfamilien (mit über 25.000 Daten) aufgeführt werden.

Seit den 90er Jahren widmet sich Guth zunehmend der Erforschung der nordhessischen Orts- und Gewässernamen sowie der regionalen Mundarten.

Am 12. Mai 1997 wurde er für seine heimatgeschichtlichen Forschungen mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.

Guth war 1998 Mitbegründer des inzwischen alljährlich stattfindenden „Nordhessischen Mundarttags“, 1999 Mitbegründer der „Gesellschaft für Nordhessische Mundarten e.V.“ und 2004 bis 2010 Schriftleiter des „Mundart-Kuriers“, der Vereinsschrift der Gesellschaft für nordhessische Mundarten. [2]

Im Februar 2012 hat Guth ein KasselWiki eingerichtet; Themenschwerpunkt: Alt-Kassel.

Kasseler Mundart

Die Kasseler Mundart ist im 20. Jahrhundert durch Angleichung ans Hochdeutsche mehr und mehr zur Halbmundart geworden. Werner Guth hingegen schreibt in seinen Mundartpublikationen „Altkasselänsch“ – wie er es nennt –, das heißt, er bedient sich der klassischen Form der Kasseler Stadtmundart.

Rechtschreibung

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Rechtschreibreform

Seinem Ärger über die Rechtschreibreform von 1996 machte Werner Guth 1998 Luft in seiner Schrift „Schildbürgers Rechtschreibreform‎ oder: Aus tiefer Not schrei(b) ich zu dir“. Er wurde Mitglied des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege - Initiative gegen die Rechtschreibreform“. Im Unterricht vermittelte er zwar „pflichtgemäß“ die neue Schreibung von 1996 ff., aber stets kontrastiv zur herkömmlichen Rechtschreibung, womit er zugleich die Schwächen und Absurditäten der Neuschreibung offenlegte. Daß er dem entsprechenden Unterricht oft Texte seiner satirisch gehaltenen Schrift „Schildbürgers Rechtschreibreform“ zugrunde legte, führte nicht nur zu heiteren Unterrichtsstunden, sondern auch zu der Erkenntnis bei den Schülern, daß das, was vom Staat auf dem Erlaßwege daherkommt, unter Umständen kritisch zu betrachten ist.

Traditionelle Orthographie

Als Germanist, Historiker, Wissenschaftler und Autor schreibt und veröffentlicht Werner Guth nur in traditioneller Orthographie.

Krankheit, Tod und Beerdigung

Werner Guth starb am 10. Dezember 2016 nach langer schwerer Krankheit im Uni-Klinikum Göttingen.

Er wurde am 16. Dezember 2016 im engen Familienkreis von sechs Vorstands-Mitgliedern des Geschichts- und Heimatvereins Kirchberg zu Grabe getragen.

Es war ihm noch vergönnt, mit letzter Kraft seine jahrzehntelange Arbeit „Die Vorfahren der Geschwister Guth aus Kassel“ in Buchform zu fassen und zur Druckerei zu geben.

Werner Guth hatte in der Wikipedia und im Franken-Wiki der Nürnberger Zeitung unter Pseudonym an zahlreichen Artikeln mitgewirkt. Außerdem schrieb er auch im HNA-Regiowiki mit, einer freien Enzyklopädie für Nordhessen, Südniedersachsen und Nordthüringen. Vom 31. Januar 2012‎ bis 17. Dezember 2013 arbeitete er als Benutzer:Werner Guth im NürnbergWiki unter seinem Klarnamen an zahlreichen Artikeln mit.

Seit Februar 2012 hatte er nach dem Vorbild des NürnbergWiki und nach anfänglicher Anleitung durch Manfred Riebe ein umfangreiches MediaWiki „KasselWiki“ aufgebaut.

Der Vorstand des Geschichts- und Heimatvereins Kirchberg arbeitet an einem ausführlichen Nachruf im Gemeindeboten. Hierzu sind einige Informationen aus dem NürnbergWiki sehr nützlich, denn viele seiner Tätigkeiten sind in Kirchberg nicht sehr bekannt.

Auszeichnungen

  • 1997 Ehrenbrief des Landes Hessen vom Mai 1997 [3]
  • 2003 Axel-Herwig-Preis beim 6. Nordhessischen Mundarttag 2003 in Körle [5] [6]

Zum Verfasser des Artikels

Manfred Riebe, der Autor des Artikels, wurde am 17. November 2016 von Landrat Armin Kroder (FW) mit der Goldenen Bayerischen Ehrenamtskarte ausgezeichnet. Armin Kroder wurde als Mitglied der Freien Wähler gewählt, die versuchen, im Bayerischen Landtag als Opposition die CSU zu kontrollieren. Siehe zum Beispiel die Freien Wähler im Menschenrechtsforum Gustl Mollath. Zahlreiche bayerische Städte, Gemeinden und Unternehmen gehören zu den sogenannten Akzeptanzpartnern der Ehrenamtskarte und gewähren deshalb Inhabern der Ehrenamtskarte Vergünstigungen.

Kontakt

Werner Guth
Bergstr. 5
34305 Niedenstein-Kirchberg
Tel. 05603 - 12 69
brief(ät)werner-guth.de
http://www.werner-guth.de
http://www.kasselwiki.de

Publikationen

  • Sicherung und familienkundliche Auswertung der Kasseler Polizei- und Kommerzienzeitung (1731 ff.). In: Hessische Familienkunde, Band 14, Heft 2, 1978, S. 101 f.
  • Soldatenwerber in Kirchberg 1672. In: Kurt Prior und Peter Wieden (Hrsg.): Niedenstein, Ermetheis, Metze, Kirchberg, Wichdorf. Geschichte und Geschichten aus dem Herzen des Chattenlandes. Gudensberg-Gleichen: Wartberg-Verlag, 1987, 128 S., ISBN 3-925277-10-2; S. 87 – 90
  • Das Marburger Trauungsbuch 1580-1605 mit Marbach und Ockershausen. Bearbeitet von Werner Guth. Herausgegeben von der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen Waldeck e.V., Kassel, 1989 (= 1. Ergänzungsband zum Marburger Sippenbuch = Band 24 der Gesamtreihe)
  • Schwarz uff wiß. Eine hessische Chronik in Kasseler Mundart. Von Lorenz Landsiedel. Herausgegeben von Quirinus Quiddenbaum in Verbindung mit Werner Guth. Niedenstein-Kirchberg: Bilstein-Verlag, 1995, 190 S., ISBN 3-931398-00-5 (= Dialekt Nordhessen, Band 1). - Lorenz Landsiedel und Quirinus Quiddenbaum sind Pseudonyme von Werner Guth. Der Band ist großenteils vom Autor illustriert.
    • Rezension von Ulrike Lange-Michael: Dazidus un de ahlen Kadden. In: HNA/Fritzlar-Homberger Allgemeine vom 21. Oktober 1995
  • Einwohner- und Familienbuch Kirchberg 1350 – 1900. Mit Ortsadel Hund ab 1250. Herausgegeben vom Geschichts- und Heimatverein Kirchberg. Niedenstein-Kirchberg: Bilstein-Verlag, 1996, 639 S., ISBN 3-931398-01-3 (= Kirchberg in Niederhessen, Band 1) - GenWiki - kirchberg-nordhessen.de
    • Rezension von Ulrike Lange-Michael: Eine Quelle für Stammbäume. In: HNA/Fritzlar-Homberger Allgemeine vom 20. April 1996.
    • Rezension von Friedrich Suck: Rechenschaft von 650 Jahren: Das Kirchberger Einwohnerbuch 1350-1900 erschien pünktlich zur 975-Jahrfeier des Ortes. In: Heimatbrief [= Vereinsschrift des Heimatvereins Dorothea Viehmann, Kassel], 1996, 3, S. 93 f.
  • Die niederhessische Adelsfamilie Hund in Kirchberg: Auszug aus: Werner Guth: Einwohner- und Familienbuch Kirchberg 1350 bis 1900 (s. o.). In: Hessische Familienkunde, Band 23, 1997, S. 197-208
  • Das Kasseläner Wilhelm-Busch-Album. Schmeggewehlerchen us Buschs Werken in Kasseler Mundart. Übertragen von Werner Guth. Niedenstein-Kirchberg: Bilstein-Verlag, 1997, 224 S., ISBN 3-931398-03-X (= Dialekt Nordhessen; Band 2)
  • Max un Moritz – ’ne Jungengeschichde in siwwen Streichen. Niederhessisch (Kassel). In: Manfred Görlach (Hrsg.): Metamorphosen. Neue Mundartübersetzungen des Max und Moritz. Heidelberg: Winter, 1998, 156 S., ISBN 3-8253-0549-X; S. 75 – 80
  • Blisch un Blumm. Ins Kasselänsche iwwerdrahn. In: Manfred Görlach (Hrsg.): Wilhelm Buschs Plisch und Plum – in 40 deutschen Mundarten. Heidelberg: Winter, 1999, 281 S., ISBN 3-8253-0944-4; S. 143 – 147
  • Leimbachs Rache. Roman. Niedenstein-Kirchberg: Bilstein-Verlag, 2003, 358 S., ISBN 3-931398-10-2
  • Iwwer de Lalen un ähre gewiddersche Närrschheit. Das „Lalebuch“ von 1597, übertragen in Kasseler Mundart. Herausgegeben und kommentiert von Quirinus Quiddenbaum. - Vom Autor illustriert. - In Vorbereitung. Vorabdruck von 6 gereimten Episoden. In: Heimatbrief [= Vereinsschrift des Heimatvereins Dorothea Viehmann, Kassel] 2003, 1–4, u. 2004, 1-2
  • Ortswüstungen und andere wüste Siedelstellen bei Niedenstein-Kirchberg. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Band 109, 2004, S. 51 –70 - PDF vhghessen.de
  • Das Firschtenbuch. Hessische Herrscher aller Zeiten, uff kasselänsch ins rechte Licht gerückt. Herausgegeben von Quirinus Quiddenbaum. Niedenstein-Kirchberg: Bilstein-Verlag, 2004, 82 S., ISBN 3-931398-13-7 (= Dialekt Nordhessen; Band 4). - Mit 49 Illustrationen vom Autor.
    • Rezension von Karl-Hermann Völker: Scherome und andere Firschten. Werner Guth widmete hessischen Herrschern einen Mundart-Gedichtband. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine vom 28. November 2004
  • Hochdeutsch und Mundarten: Pläne der Nazis. In: Der Mundart-Kurier Nr. 5, 2005, S. 13
  • Sonderfälle bei germanischem p-, t-, k-Anlaut als Folge von s-mobile-Wirksamkeit. In: Namenkundliche Informationen, Band 91/92, 2007, S. 15–39
  • Mattium – Onomastische Überlegungen zu einem historischen Problem. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Band 113, 2008, S. 1–16 - PDF vhghessen.de
  • Kassel an der Fulda – Überlegungen zur Bedeutung des Ortsnamens. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Band 115 (2010), S. 1-20 – PDF vhghessen.de
  • Gudensberg-Obervorschütz – das antike Amisia? Anmerkungen zu der Entschlüsselung von Ptolemaios' „Atlas der Oikumene“. Ungedruckt; Internetveröffentlichung Mai 2011 - PDF-Datei
  • „Dissen, Deute, Haldorf, Ritte, Baune, Besse ...“ – Onomastische Überlegungen zu einem alten nordhessischen Ortsnamenspruch. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Band 116, 2011, S. 1-20
  • Ach, wie steh’me hier bedrippelt. Casseläner Grab=Poeme us däm ganz un gar zerfledderten un bahle nit mehr läsbaren Nachlaß vum Carle Theophrast Seidelbast. Niedenstein: Selbstverlag, 2012, 36 S.
  • Der Flußname Unstrut. – In: Namenkundliche Informationen, Band 101/102, 2012/13, S. 439-448

Literatur

  • Markwart Lindenthal (Hrsg.): 975 Jahre Kirchberg. Lebendige Geschichte unseres Dorfes am Wartberg. Niedenstein-Kirchberg: Bilstein-Verlag Uta Guth, Kirchberg 1996, 273 S., ISBN 3-931398-02-1
  • Herbert Jacob: Ett mott mo gesächd weeren! Aktuell verpackt: Vorgeschichte des Nordhessischen Mundarttags und der GNM. In: Der Mundart-Kurier 2, 2004, S. 5
  • Reinhard Umbach:[7] Das Porträt: Werner Guth. In: Der Mundart-Kurier 2, 2004, S. 15
  • Neuer Eco-Pfad verbindet Naturerlebnis mit Kulturgeschichte. Unterwegs in der Flur. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung (HNA) vom 6. Oktober 2010 - HNA
  • Hans-Peter Kastenhuber: Die Reise zu den Inseln der alten Rechtschreibung. In: Nürnberger Nachrichten vom 12. Januar 2013, S. 3 - [ NN]

Querverweise

Sachartikel

Personenartikel

Netzverweise

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Sicherung und familienkundliche Auswertung der Kasseler Polizei- und Kommerzienzeitung (1731 ff.). In: Hessische Familienkunde, Band 14, Heft 2, 1978, S. 101 f. (Fortsetzung und Abschluß 1986 durch Helmut Thiele (Hrsg.): Einwohner und Familien der Stadt Kassel. Eheschließungen, Geborene, Verstorbene 1731-1839, 13 Bände. Hrsg. Helmut Thiele und Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck. Kassel, 1986. Helmut Thiele arbeitete zusammen mit etwa 14 Mitarbeitern, die etwa 160.000 Daten eruierten.)
  2. Der Mundart-Kurier, Dezember 2008 - PDF
  3. Ehrenbriefe - „Vorbildlicher Einsatz“. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine vom 13. Mai 1997
  4. (use): Rohrbach und Guth von Zisselgilde ausgezeichnet. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine vom 1. August 1999
  5. Der Nordhessische Mundarttag - nordhessische-mundarten.de
  6. Die Axel-Herwig-Preisträger. In: Der Mundart-Kurier Nr. 1, April 2004, S. 2 - [1]
  7. Reinhard Umbach (* 1954), Kabarettist, Autor, als Mundartkünstler unter dem Namen „Hessen-Henner“ (hr4) bekannt, gehört zum Umfeld der „Titanic“-Autoren.